-Patina- Ein Frage des Objektes?

Über wunderbares Design zu schreiben ist irgendwie langweilig, oder?  Nicht nur, da es zur Zeit in aller Munde ist, ist  der Sammlermarkt geradezu verrückt nach den Entwürfen namhafter Designer.

Nun möchte ich das Ganze einmal aus einer anderen Richtung betrachten – aus konservatorischer Sicht. Über Patina und Spuren des Möbellebens  kann man lange und viel philosophieren. Zum Beispiel, wo beginnt ein Schaden und wo ist es noch Patina. Ist es wichtig anhand der Patina zu sehen, wie alt ein Möbel ist?  Welchen Gebrauchswert darf eine Antiquität und Designklassiker  heute haben? Und natürlich ganz wichtig auch die Frage, wie viel Patina (v)erträgt ein Möbel?

Nehmen wir doch einem barocken Sekretär Kratzer, Reparaturen und Ergänzungen bei Weitem nicht übel! Im Gegenteil, erzählen diese Spuren doch vom abenteuerlichen Leben eines Möbels.

 

Hat es den gleichen Wert? Vergleich: Dielenschrank  Frankreich, Kirschbaum datiert 1858: Beschriftung der Innenseite der rechten Tür.) und B&O Beomaster 1200 Beschriftung der Lieblingssender  der Skale

 

Anders ist es bei Designobjekten. Werden da Reparaturen als störend und wertmindernd, Ergänzungen als frevelhaft und eine verbrauchte Oberfläche als unbedingt erneuerungswürdig gedeutet. Auch der Gebrauchswert sinkt mit dem Grad der Abnutzung. Wir sind also weniger kompromissbereit und akzeptieren bei diesen Objekten die Patina weniger und unsere Ohren sind verschlossen für die Geschichte die sie uns erzählen. Die Attribute die wir zum Beschreiben des Zustandes suchen sind weniger positiv behaftet.

 

Dielenschrank Kirschbaum, Frankreich datiert 1858
Highboard DWH Model 602 von Franz Ehrlich

Patina als persönliche Note der Massenware Design?

Ein wesentlicher  Unterschied zwischen einer klassischen Antiquität und den Designstück liegt unumstritten in Ihrer Vergleichbarkeit. Ist ein Barockschrank ein Einzelstück und ein Vergleich mit anderen Stücken jener Zeit unscharf. Ist es beim Designerstück oft das Gegenteil der Fall.  Liegt doch oft eine manufaktorische oder sogar industrielle Fertigung der Designklassiker zur Grunde. So gleicht dann ein Objekt dem anderen.  Macht dann eine Patina als Zeichen der persönlichen Note eines Nutzers, das Stück einzigartig? Oder ist gerade da das Problem und ist der Sinn dieser Massenware, das s das eine dem anderen auf aufs Haar gleicht?

Wie viel Patina (v)erträgt ein Möbel?

Wie sieht es mit stark verbrauchten, verunreinigten und abgenutzten Oberflächen aus? Mindern diese Verunreinigung und Verfärbungen doch erheblich den Gesamteindruck und schlimmer noch, führt doch der fehlenden Firniss zu Schäden an Furnier und Holz. In diesem Falle gilt es Schäden abzuwenden und durch die Minderung des Gesamteidruckes schränkt sich die Funktion erheblich ein.

Es bleibt also eine Einzelfallentscheidung, gemessen am Gebrauch und Zustand des Objektes. In allen anderen Fällen sollten wir aber liebevoll mit den Gebrauchsspuren umgehen, die Patina respektieren und versuchen, viel Informationen über die Geschichte des Objektes, aber auch ihrer Eigenschaften (z.B. die verwendeten Materialien) für die Nachwelt zu erhalten. Selbstverständlich sollte der Begriff Patina nicht missbraucht werden, in dem wir Objekte nicht pflegen oder viel schlimmer falsch pflegen.

Aber dazu später mehr….

   

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